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Stiller Lobbyismus 28.09.2022 22:21:00

Zwang zur Nachhaltigkeit: Wie Aktionäre ihre Macht nutzen können

Zwang zur Nachhaltigkeit: Wie Aktionäre ihre Macht nutzen können

Nicht nur Umsatzzahlen, sondern auch Nachhaltigkeitsaspekte können Investoren zu einem Einstieg in ein Unternehmen motivieren. So gehen Hedgefondsmanager vor, um Konzerne in Sachen Umwelt und Soziales voranzubringen.

• ESG-Kriterien können Investitionen beeinflussen
• Aktionäre mit mehr Stimmrechten haben das Sagen
• Aktionärsresolution als Hilfsmittel

Für viele Anleger spielen ESG-Kriterien bei der Auswahl neuer Investitionen eine wichtige Rolle. Die Abkürzung steht für Environment, Social und Governance und beschreibt nachhaltiges Handeln eines Unternehmens in Umwelt-, Sozial- und Führungsbelangen. Doch was kann man als Anleger tun, wenn sich Unternehmen, in die man bereits investiert hat, nicht eindeutig zu den Nachhaltigkeitskriterien positionieren - oder sich gar gegen diese stellen?

Interessensgemeinschaften können mit mehr Stimmrechten aufwarten

Laut dem Börsenportal "MarketWatch" können Anleger ein Aktivwerden der Firmen in puncto Umwelt und Soziales durchaus einfordern. Hier haben Portfoliomanager und Vermögensverwalter aber aufgrund ihrer in der Regel grösseren Positionen und damit auch mehr Stimmrechten mehr Macht und sitzen am längeren Hebel, was das Durchsetzen von Forderungen angeht. Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch, dass die Fondsmanager überhaupt Aktien des entsprechenden Unternehmens besitzen. Alternativ können sie sich auch mit anderen Verwaltern zusammentun, die bereits über Anteile verfügen. Generell gilt: Je mehr Aktien eine Interessensgemeinschaft insgesamt besitzt, desto mehr Stimmen hat diese auch.

Offenes Gespräch als erster Schritt

Als nächsten Schritt bietet es sich MarketWatch zufolge an, sich mit der Investor Relations-Abteilung des entsprechenden Unternehmens in Verbindung zu setzen und die Verbesserungsvorschläge zu erklären. Dies könne in einem Gespräch mit dem CEO oder einem Bereichsverantwortlichen erfolgen. "Wenn Sie etwas sehen, von dem Sie glauben, dass es ein Unternehmen zu einer besseren Investition machen würde, ist es in Ihrem Interesse als Investor, dies zumindest zu vermitteln", so Julie Gorte vom Vermögensverwalter Impax Asset Management. So könne es sich lohnen, das offene Gespräch zu suchen und eine Beziehung aufzubauen, was auch der Regelfall für solche Unterfangen sei.

Aktionärsresolutionen

Sollten die Forderungen an das Unternehmen aber auf taube Ohren stossen, können sich Fondsmanager immer noch einer Aktionärsresolution bedienen. Im Optimalfall wird diese bereits vor der Jahresversammlung des Unternehmens eingereicht, um diesem genügend Zeit zu geben, eine Einigung anzustreben. In diesem Fall könne die Resolution nämlich wieder zurückgezogen werden, so das Portal. Wie das Investmentunternehmen Boston Trust Walden in seinem ESG-Bericht für das zweite Quartal 2022 festhielt, habe man in diesem Jahr bereits 15 Aktionärsresolutionen geleitet oder war dabei involviert. In mehr als 70 Prozent dieser Fälle habe man sich aber mit den Unternehmen einigen, Unternehmensverpflichtungen aushandeln und die Anträge wieder zurückziehen können.

Resolutionen rechtlich nicht bindend

Doch auch wenn es zu keiner Einigung kommt und die Aktionärsresolution weiter besteht, ist dies keine Garantie dafür, dass die Forderungen umgesetzt werden. So weist MarketWatch darauf hin, dass die Anträge in der Regel nicht bindend sind und die Unternehmen die geforderten Änderungen nicht realisieren müssen. Jedoch könne eine Niederlage bei Aktionären dazu führen, ihre Investition in den Konzern zu überdenken. Im schlimmsten Fall könnten sich zahlreiche Grossaktionäre von ihren Positionen lösen und den Aktienkurs in die Tiefe rauschen lassen.

Kontrolle durch Führungsebene begrenzt Potenzial

Generell könne es sich MarketWatch zufolge für Anleger als Problem erweisen, wenn die Führungsmacht eines Unternehmens konzentriert ist, da Veränderungen dadurch einfacher blockiert werden können. Als Beispiel wird hier etwa Meta Platforms-Chef Mark Zuckerberg genannt, der über 55 Prozent der stimmberechtigten Aktien verfügt. Aber auch die Alphabet-Gründer Larry Page und Sergey Brin sowie Ex-CEO Eric Schmidt teilen sich mehr als die Hälfte des Google-Konzerns. Sie sitzen auf dem Grossteil der Alphabet A- und B-Aktien des Suchmaschinenanbieters, die mit Stimmberechtigungen einhergehen. Lediglich C-Aktien von Alphabet kommen gänzlich ohne Stimmrechte aus.

Aktionärsresolution scheitert bei Alphabet-Hauptversammlung

Erst in diesem Jahr reichte Boston Trust Walden eine Aktionärsresolution gegenüber der Google-Mutter ein, im Rahmen derer man den Konzern dazu aufforderte, sich bezüglich des Klimaziels des Pariser Abkommens, die durchschnittliche globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, zu äussern. Auch habe sich Alphabet erklären sollen, wie die Risken einer eventuellen Fehlentwicklung in diesem Bereich gesenkt werden könnten. Letztendlich sprachen sich jedoch nur 19 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre für dieses Vorhaben aus. Ähnliche Anträge zum Thema Nachhaltigkeit, besonders im Hinblick auf Diversität, wurden mit noch niedrigeren Zustimmungsraten zunichtegemacht.

Aktivistischer Hedgefonds sichert sich Platz in ExxonMobil-Verwaltungsrat

Dennoch gebe es auch Situationen, in denen sich die Aktionäre im Hinblick auf ESG-Kriterien durchsetzen konnten. Ein prominentes Beispiel für einen solchen Erfolg ist die Abstimmung auf der Hauptversammlung des Ölriesen ExxonMobil im Jahr 2021. Der noch junge Hedgefonds Engine No. 1 forderte Exxon nach einem Investment über 50 Millionen US-Dollar dazu auf, mehr für den Klimaschutz zu tun. Glaubte anfangs kaum jemand an den Erfolg des Vermögensverwalters, ging dieser gestärkt - und mit drei vorgeschlagenen Mitgliedern im ExxonMobil-Verwaltungsrat - aus der Aktionärsversammlung heraus. "Wir loben Exxon für die starke Leistung und die Veränderungen, die das Unternehmen im vergangenen Jahr vorgenommen hat", heisst es in einer Mitteilung des Vermögensverwalters vom Mai 2022. "Dazu gehören die Beibehaltung der Disziplin bei der Kapitalallokation, die Festlegung aggressiverer Ziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und die Aufstockung der Ressourcen für die Geschäftseinheit Low Carbon Solutions."

Klimawandel kommt auch am Markt an

Gorte zeigt sich ebenfalls zufrieden darüber, dass sich auch immer mehr traditionelle Investoren für Umweltthemen interessieren. So erkenne die Vermögensverwalterin, dass der Klimawandel längst nicht mehr nur protestierende Aktivisten beschäftigt, sondern als starkes Risiko erkannt wird. "Der Markt hat sich also weiterentwickelt", so Gorte laut MarketWatch.

Redaktion finanzen.ch


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Bildquelle: SWKStock / Shutterstock.com,Matej Kastelic/AdobeStock

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